Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V.

"Eltern sollten den Schulweg für Ihre Kinder aussuchen"

Verkehrswächter Anton Schnetz (Verkehrswacht Ravensburg) über präventive Arbeit und Gefahren im Straßenverkehr

Am Montag beginnt das neue Schuljahr. Rund 96 000 Kinder werden sich dann zum in Baden-Württemberg ersten Mal in die Schule begeben. Und damit auch oft erstmals alleine zur Schule gehen. Anton Schnetz von der Kreisverkehrswacht Ravensburg bereitet Kinder, Eltern und Autofahrer darauf vor. Schließlich seien die Schulanfänger im Straßenverkehr besonders gefährdet.

Das Gespräch führte Annabell Gutzmer.

Ich musste in der ersten Klasse so ein orangenes Käppi tragen, gibt es die noch?

Ich habe nicht einmal am Anfang meiner Zeit in der Verkehrswacht diese orangenen Käppis verteilt. Keiner wollte sie anziehen. Wir verteilen jetzt reflektierende Umhänge an die Grundschulen, die kennzeichnen die Kinder als Schulanfänger.

Sie haben mehr als 40 Jahre lang Erfahrung in präventiver Arbeit. Zunächst bei der Verkehrspolizei, dann bei der Verkehrswacht. Was hat sich verändert?
Die Polizei setzt jetzt viel stärker auf Prävention als noch vor 40 Jahren. Die Verkehrswacht war früher die einzige Institution, die präventiv gearbeitet hat. In der Zwischenzeit wurden die Jugendverkehrsschulen gegründet, in denen die Kinder den Fahrradschein absolvieren. Jetzt bildet die Polizei Schulbusbegleiter aus.

Wo lauern die Gefahren im Straßenverkehr?
Hauptsächlich an Fahrbahnüberquerungen. Kinder verhalten sich anders, ihr Sichtfeld ist durch ihre kleine Größe eingeschränkt. Schlecht wirken sich da zum Beispiel auch die immer größeren Pkws aus. Als parkende Fahrzeuge sind es Sichthindernisse. Kinder lassen sich schnell ablenken. Und schließlich gibt es bei uns auch viele Kampfradfahrer.

Vielen Eltern fällt es schwer, ihr Kind alleine loszuschicken. Was raten Sie ihnen?
Eltern sollten als Verantwortliche den Weg aussuchen. Dabei ist es wichtig, den einfachsten Weg auszusuchen, nicht unbedingt den kürzesten. Ebenso müssen sie ihren Nachwuchs auf Gefahrenstellen aufmerksam machen. Ganz wichtig ist, für den Schulweg Zeit einzuplanen. Wenn das Kind in Eile ist, dann bringt es nicht die nötige Konzentrationsfähigkeit auf.

Verkehrsminister Winfried Hermann empfiehlt, nicht immer Taxi für die Kinder zu spielen.
Es gibt viele Eltern, die ihren Kindern ein Gefallen täten; wenn sie nicht Taxi spielen würden. Aber gerade wegen der veränderten Schullandschaft sind viele darauf angewiesen. Dabei sollten sie auf die anderen Kinder Rücksicht nehmen. Ich habe wiederholt erlebt, dass Eltern zu schnell und ohne Rücksicht an die Schulen oder Bushaltestellen heranfahren. Teilweise lassen sie ihre Kinder dann noch zur Fahrbahnseite hin aussteigen.

Bei einer Umfrage kam heraus, dass 70 Prozent der Autofahrer gar nicht auf die Hinweisschilder auf Schulanfänger achten. Haben Sie das auch so erlebt?
Die Zahl der Unfälle mit Kindern ist rückgängig. Das liegt auch an der enormen präventiven Arbeit. Ich habe- die Erfahrung gemacht, dass man Unfälle, wenn man deren typische Ursachen kennt, besser bekämpfen kann. Nachhaltigkeit und Konsequenz sind hier die Stichwörter. Immer wieder müssen Plakate angebracht werden, immer wieder müssen die Menschen auf die Gefahren hingewiesen werden. Das heißt bei der Begegnung mit Kindern sollten Autofahrer Ablenkung unbedingt vermeiden, aufmerksam fahren und mit dem Fehlverhalten der Kinder rechnen.

 

(Quelle: Schwäbische Zeitung)