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Gegen den Unfalltrend: Immer mehr Jugendliche verunglücken mit dem E-Scooter

Deutlich weniger Verkehrstote und Verletzte insgesamt, aber immer mehr Unfälle und Getötete mit E-Scootern – das ist die Bilanz der vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für das erste Halbjahr 2026. Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V. reagiert darauf mit einem attraktiven Angebot für Jugendliche: Moderne Fahrsicherheitstrainings sollen gefährliche Wissenslücken schließen, das Risikobewusstsein schärfen und ein rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr fördern.

Während die Zahl der Verkehrstoten in den ersten sechs Monaten bundesweit um 9 Prozent auf 1.233 gesunken ist und auch in Baden-Württemberg mit 161 Opfern (-15 Prozent) rückläufig war, bricht ein Verkehrsmittel aus der Reihe: E-Scooter. Bundesweit stieg die Zahl der getöteten E-Scooter-Fahrer im ersten Halbjahr um 13 auf insgesamt 28 Menschen. Im Südwesten gab es zwar nur ein Todesopfer (Vorjahr: 4), doch die verbleibenden Kennzahlen zeigen eine alarmierende Entwicklung:

  • Unfälle: + 46,4 Prozent (1.290 statt 881 Kollisionen im 1. HJ 2025)
  • Leichtverletzte: + 44,9 Prozent (868 Personen)
  • Schwerverletzte: + 72,6 Prozent (126 Personen)

Kinder verunglücken häufig mit dem Rad, Jugendliche mit dem E-Scooter

Entgegen der allgemeinen Entwicklung wurden von Januar bis Juni mehr Kinder und Jugendliche verletzt oder getötet. Während unter 15-Jährige (bundesweit knapp 15.000 Verletzte oder Getötete) meist auf dem Fahrrad verunglücken, trifft es Jugendliche (knapp 10.000) immer häufiger auf dem E-Scooter. Die regionalen Daten für Baden-Württemberg unterstreichen das Risiko deutlich: Hier war bei fast jedem zweiten E-Scooter-Unfall mit Personenschaden (45,5 Prozent) der Fahrer oder die Fahrerin minderjährig.

Die Landesverkehrswacht fordert darum einen bedarfsgerechten Ausbau der Verkehrs- und Mobilitätserziehung. Burkhard Metzger, Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V.: „Die erschreckenden Unfallzahlen von Kindern und Jugendlichen sind ein unübersehbarer Weckruf. Wir müssen die Verkehrserziehung weiter verstärken und brauchen verpflichtende Angebote in der Mobilitätsbildung. Angesichts der E-Scooter-Problematik im Umfeld von Schulen wollen wir wie beim Radfahrtraining für Grundschüler und in der Sekundarstufe I in Kooperation mit dem Kultusministerium auch die Zielgruppe der E-Scooter fahrenden Schüler erreichen.“

E-Scooter-Fahrsicherheitstrainings schließen Wissenslücken und stärken Risikobewusstsein

Die wachsende Beliebtheit von E-Scootern bei Jugendlichen erklärt den Unfalltrend nur zum Teil. Das Hauptproblem liegt tiefer: „Viele Jugendliche kennen die Verkehrsregeln für E-Scooter schlichtweg nicht. Zwischen der Radfahrausbildung in der vierten Klasse und dem Autoführerschein klafft eine große Lücke in der Verkehrsbildung. Die jungen Menschen werden mit den Elektrorollern allein gelassen und sind unzureichend auf den realen Straßenverkehr vorbereitet“, mahnt LVW-Präsident Burkhard Metzger.

Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg reagiert auf die steigenden Unfallzahlen und erweitert ihr Trainingsangebot um ein neues Präventionsprogramm: praxisnahe Fahrsicherheitstrainings für Nutzerinnen und Nutzer von E-Scootern. Jugendliche ab 14 Jahren lernen dabei, wie sie richtig bremsen, Bordsteine sturzfrei überwinden, sicher die Spur halten und Hindernissen ausweichen. Neben Fahrpraxis vermitteln die Kurse wichtiges Wissen zu Verkehrsregeln, Schutzausrüstung, technischer Ausstattung eines betriebssicheren E-Scooters und den Strafen für ein mögliches Fehlverhalten. Die ersten 36 Trainerinnen und Trainer hat der Verband bereits geschult. Im Oktober werden weitere Ehrenamtliche aus dem ganzen Land ausgebildet.

© LVW BW