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Warum der Schulweg für Kinder eine biologische Höchstleistung ist

Kommen Kinder in die Schule, beginnt für sie eine neue Zeitrechnung, schließlich gehören sie jetzt fast schon zu den Großen. Doch im Straßenverkehr zählen sie weiter zu den Kleinen - und der Weg zur Schule hält für sie viele Hürden bereit. Erwachsenen ist das oft gar nicht bewusst. Doch der Straßenverkehr verlangt Kindern Fähigkeiten ab, die sie rein biologisch noch gar nicht besitzen können.

Was viele Eltern überrascht: Die für den Straßenverkehr notwendigen Sinne entwickeln sich erst im Laufe der Schuljahre vollständig. So ist das enge Blickfeld junger Kinder biologisch bedingt stark eingeschränkt – was Erwachsene noch problemlos aus dem Augenwinkel wahrnehmen, existiert für Schulanfänger schlichtweg nicht. Zudem können Fünf- bis Sechsjährige Entfernungen und Geschwindigkeiten kaum einschätzen; der Unterschied zwischen einem stehenden und einem fahrenden Auto ist für sie visuell schwer greifbar. Hinzu kommt ein verzögertes Verarbeiten von Sinneseindrücken sowie die Schwierigkeit, Gefährdungen über das Gehör richtig zu orten. Kurzum: Erstklässler sind keine „kleinen Erwachsenen“, sondern nehmen ihre Umwelt völlig anders wahr. 

Das „Elterntaxi-Paradoxon“ entschärfen

Aus Sorge vor diesen Gefahren bringen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto direkt bis vor das Schultor. Doch gut gemeint ist hier oft das Gegenteil von sicher: Das morgendliche Chaos aus wendenden Fahrzeugen und Halten in zweiter Reihe erzeugt genau jene Unübersichtlichkeit, die Kinder überfordert. Zudem beraubt der elterliche Bringdienst die Kleinen wichtiger Gelegenheiten, um Eigenständigkeit und Verkehrskompetenz aufzubauen. "Die Kinder mit dem sogenannten Elterntaxi bis vor das Schultor zu bringen, bremst die Entwicklung zu sicheren Verkehrsteilnehmenden und schafft mehr Gefahren als es vermeidet“, erklärt Landesverkehrswacht-Präsident Burkhard Metzger.

Unsere Unterstützung für einen sicheren Schulstart

Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg lässt Familien mit diesen Herausforderungen nicht allein:

  • Spielerisch üben mit dem Schulwegtrainer: Auf dem gemeinsamen Portal der Landesverkehrswacht und der Unfallkasse BW – schulwegtrainer.de – können Eltern praktische Tipps abrufen und Kinder das richtige Verhalten digital und spielerisch erproben. Gefördert wird das kostenfreie Angebot vom Ministerium des Innern, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg.

  • Aktion „Geh(t) doch!“: Mit unserer landesweiten Spannband-Aktion „Geh(t) doch! – Schulweg ohne Elterntaxi“ setzen wir direkt an den Schulen ein sichtbares Zeichen gegen das Autocaos. Die auffälligen pinken Banner motivieren dazu, das Auto bewusst stehenzulassen. "Denn die Kinder mit dem sogenannten Elterntaxi bis vor das Schultor zu bringen, bremst die Entwicklung zu sicheren Verkehrsteilnehmenden und schafft mehr Gefahren als es vermeidet“, erklärt Landesverkehrswacht-Präsident Burkhard Metzger.
Die drei wichtigsten Empfehlungen für Eltern:
Damit der Schulweg von Anfang an gelingt, empfiehlt die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg drei Grundregeln:
  1. Nicht allein auf die Straße: Schulanfänger verfügen noch nicht über die nötige Reife für den Solo-Schulweg. Lassen Sie Ihr Kind in der ersten Zeit keinesfalls unvorbereitet und ohne Begleitung losziehen.

  2. Gemeinsam stark im „Laufbus“: Zu mehreren geht es sicherer und besser! Organisieren Sie mit anderen Eltern Geh-Gemeinschaften (auch bekannt als „Laufbus“). Die Kinder laufen feste Routen zu festen Zeiten ab und werden anfangs abwechselnd von Erwachsenen begleitet.

  3. Erst zu Fuß, später aufs Rad: Erstklässler gehören absolut noch nicht allein auf das Fahrrad. Der Wechsel auf das Rad sollte aus verkehrspädagogischer Sicht erst nach der offiziellen Radfahrausbildung in der 4. Klasse erfolgen, da jüngere Kinder in komplexen Verkehrssituationen den Überblick verlieren.
Mit jeder Erfahrung, die Kinder so möglichst sicher auf dem Schulweg machen dürfen, und jedem Jahr, in dem ihr Körper und ihre Wahrnehmung reifen, wächst auch ihre Selbstständigkeit ein Stück weiter. Und eines Tages sind sie wirklich so groß und stark, wie sie sich schon zur Einschulung fühlen.