Frage der Sicherheit:
Landesverkehrswacht will niedrigere Promillegrenze für Radfahrende
Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V. fordert die Einführung der 1,1-Promillegrenze auf dem Fahrrad.
Die Verkehrsunfallstatistik 2025 für Baden-Württemberg zeigt einen gefährlichen Trend: Während die Zahl der Schwerverletzten gesunken ist, stiegen die Fahrradunfälle um rund sechs Prozent auf einen neuen Höchststand. Besorgniserregend: Entgegen der allgemeinen Entwicklung ist bei Radlern wieder häufiger Alkohol im Spiel. Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V. (LVW) unterstützt die Forderung des Verkehrsgerichtstages nach einer Promillegrenze von 1,1 für Radfahrer.
Derzeit werden alkoholisierte Radfahrende ohne Ausfallerscheinungen erst ab 1,6 Promille belangt – dann handelt es sich gleich um eine Straftat. Eine präventive Warnschwelle, wie sie für Autofahrer längst gilt, fehlt. Dabei sinkt die Fahrsicherheit bereits ab 0,2 Promille messbar.
Die Statistik belegt die Gefahr: Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 668 Alkoholunfälle im Radverkehr, die fast immer (599 Fälle) zu Personenschäden führten. Die Fahrrad- und Pedelecunfälle sind zudem auf einem neuen Höchststand von 13.074 (2024: 12.351), wobei 11.477 Personen zu Schaden kamen.
Burkhard Metzger, Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V., warnt: „Wir machen uns gemeinsam mit der Deutschen Verkehrswacht bereits seit 2015 für strengere Promille-Grenzen im Radverkehr stark. Viele halten Radfahren nach teils hohem Alkoholkonsum noch immer für ein Kavaliersdelikt. Das ist ein lebensgefährlicher Irrtum. Die neuen Zahlen sind ein Weckruf. Wenn zwei Drittel der Radunfälle selbst verschuldet sind und Alkohol eine immer größere Rolle spielt, sind die 1,1-Promillegrenze und ein Bußgeld von 250 Euro ein klares Signal für ein Umdenken auf allen Ebenen.“
Fahrrad- und Pedelec-Trainings bei den Verkehrswachten
Neben der Nüchternheit rät die LVW auch dringend zum Tragen eines Fahrradhelms: Fast die Hälfte der getöteten Senioren war ohne Kopfschutz unterwegs. „Angesichts dieser Entwicklung wäre es eigentlich an der Zeit, dass die Politik eine Helmpflicht für Fahrräder und Pedelecs einführt“, so Burkhard Metzger.
Die Kreis- und Ortsverkehrswachten im Südwesten bieten Aufklärung und Sicherheitstrainings für Rad- und Pedelecfahrende an – darunter auch spezielle Kurse für ältere Menschen.

Pedelecs sind beliebt. Immer mehr Radler über 65 Jahre verunglücken aber auch. Alkohol spielt oft eine Rolle. © halfpoint/Canva